Grüne Stadtratsfraktion plädiert für flächendeckenden und kreativen Sozialwohnungsbau

Erfurt wächst und muss mit gewissen Wachstumsschmerzen umgehen. So wird der Wohnraum in Erfurt zunehmend knapp. Vor allem fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Im Oktober will die Stadtverwaltung dem Stadtrat einen Vorschlag vorgelegen. Vor diesem Hintergrund äußert sich Ludger Kanngießer, Sprecher für Stadtentwicklung der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Erfurter Stadtrat:

„Die Diskussion um den Bau von bezahlbaren Wohnungen führen wir in Erfurt seit einiger Zeit intensiv. So hat der Stadtrat Anfang 2017 beschlossen, dass zügig ein „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ gegründet wird. Bei diesem Bündnis soll es sich nach Willen des Rates um ein Bündnis zwischen der Stadtverwaltung, den Erfurter Wohnungsbaugenossenschaften und der KOWO GmbH handeln.

Als Grüne Stadtratsfraktion unterstützen wir die Etablierung dieses Bündnisses nach Kräften und ermutigen dazu, dieses Bündnis so bald wie möglich zu gründen. Ebenso wollen und fordern wir eine feste Quote an sozialem Wohnungsbau in allen künftigen Bebauungsplänen der Stadt, um günstigen Wohnraum flächendeckend in ganz Erfurt zu schaffen. Diese Quote sollte sich irgendwo zwischen 15-20% der neu zu errichtenden Wohnungen bewegen. Solche Modelle werden in anderen Städten durchaus erfolgreich umgesetzt. Die Stadtverwaltung könnte zudem von der Expertise der Wohnungsbaugenossenschaften profitieren. Die WBG Einheit bspw. schafft heute schon günstigen und sozialverträglichen Wohnraum.

Auch zivilgesellschaftliche Wohnprojekte und Wohngenossenschaften sollten wir als Stadt stärker unterstützen und fördern. Daher sollte das künftige Bündnis unbedingt für diese Wohnprojekte geöffnet werden.

Als Grüne Fraktion machen wir bei allen Bebauungsplänen immer wieder darauf aufmerksam, dass ein großer Kostentreiber der Bau von Tiefgaragenplätzen ist. So verteuern Tiefgaragen den Bau von neuen Wohnungen um 11-19%, was sich als monatlicher Mietaufschlag von ca.10-15% bemerkbar macht. Trotzdem wird der Stellplatzschlüssel in einer wachsenden Stadt mit zunehmender Flächenkonkurrenz weder von der Stadtverwaltung noch von der Stadtratsmehrheit kritisch hinterfragt. Hier liegt ein großer Hebel zur Senkung der Mieten einfach brach.

Die fehlenden Stellplätze könnte man künftig durch verpflichtende Carsharing-Plätze in allen Bebauungsplänen teilweise kompensieren. Ein Carsharing-Auto kann je nach Lage bis zu 10 private Autos ersetzen. Es gibt innovative Städte in Deutschland, die diesen Weg bereits erfolgreich gehen. Der Bundesgesetzgeber hat erst kürzlich ein neues Carsharing-Gesetz verabschiedet, das Carsharing aus der Schmuddelecke mitten ins gesellschaftliche Bewusstsein holen könnte. Die Stadtverwaltung und das „Bündnis für bezahlbares Wohnen“ sollten diese Chance aufgreifen.

Auch autofreie Wohnquartiere sollten vor diesem Hintergrund ernsthaft in Erwägung gezogen werden – die Nachfrage nach diesem Wohnraum wäre garantiert gesichert. Kommen wir künftig als Stadt dahin, nicht das individuelle Auto, sondern die individuelle Mobilität im Verbund mit dem ÖPNV zu ermöglichen, dann könnten wir einen viel deutlicheren Spareffekt beim Wohnungsbau erzielen. Dadurch würden die Wohnungen in der Erstellung günstiger und könnten daher zu niedrigeren Mieten angeboten werden“, so Ludger Kanngießer abschließend.

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