Vorrang für Baumschutz bei Baumaßnahmen

Letzte Woche wurden in den letzten beiden Stadtratssitzungen vor der Sommerpause einige Bebauungspläne beschlossen bzw. weitere Bauplanungen in Auftrag gegeben. Die Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Stadtrat Erfurt hatte in diesem Zusammenhang zum wiederholten Male Änderungsanträge zugunsten des Baumschutzes und des Stadtgrüns eingereicht. Leider sind diese mehrheitlich abgelehnt worden.

Dazu äußert sich Ludger Kanngießer, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN im Stadtrat Erfurt:

„Es ist schon enttäuschend, dass dem Thema Stadtgrün im Erfurter Stadtrat immer noch so wenig ernsthafte Aufmerksamkeit geschenkt wird. Beim Thema Baumschutz bei bevorstehenden Baumaßnahmen wird nach wie vor stark auf Planieren statt auf planerisches Integrieren von Bestandsbäumen gesetzt. Konkret können wir es nicht nachvollziehen, wieso für die Bebauung am Brühl (an der Warsbergstraße) eine Baumgruppe von fünf vitalen Bäumen am äußersten Grundstücksrand weichen soll, nur weil genau dort die Einfahrt für die Tiefgarage angelegt werden soll. Diese Einfahrt ließe sich problemlos an anderer Stelle realisieren. Nun aber sind die Bäume der Mehrheit im Stadtrat zum Opfer gefallen. Ebenso wird die von uns geforderte Fassadenbegrünung regelmäßig und mit willkürlich wechselnden Argumenten als nicht notwendig erachtet. Dabei hat Fassadenbegrünung positive Effekte auf das lokale Mikroklima, auf die Verschattung und damit Abkühlung der Innenräume bei sommerlichen Temperaturen und auf den Schutz der Biodiversität. Der Klimawandel wird dieses Thema weiter vorantreiben. Wir sind uns sicher, dass in einigen Jahren Fassadengrün so selbstverständlich sein wird wie die Dachbegrünung es heute schon ist.

Dass sich schließlich eine Mehrheit für die weitere Planung des Flutgrabenradweges ausgesprochen hatte, entzieht sich vollkommen unserem Verständnis. Hier soll mit hohem finanziellen Aufwand ein Stückchen Radweg in den Flutgraben gebaut werden, das keinerlei Anbindung an das Fahrradnetz hat. Für diesen planerischen Unsinn müssen unzählige Bäume ohne Not fallen. Ökologisch ist das ein Desaster, ökonomisch ein teures Prestigeprojekt, welches bei Hochwasser sehr wahrscheinlich beschädigt bzw. abgetragen wird, und planerisch absurd. Die finanziellen Mittel sollten wir lieber in die Umsetzung der bestehenden Radwegekonzeption investieren. Damit wäre dem Radverkehr, dem Baumschutz und dem Klimaschutz in Erfurt besser geholfen. Hier fehlte wohl (noch) der öffentliche Druck, um von diesem unnötigen Vorhaben abzusehen. Das Beispiel Rathausbrücke sollte uns doch allen eine Lehre gewesen sein“, so Ludger Kanngießer abschließend.

 

V.i.S.d.P.: Martin Kosny (0361 655 2030)

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